Der Architekt: Zwischen dem Kunden und der richtigen Marmorwahl
Aleksandra Popov, Architektin
Mit der zunehmenden Verfügbarkeit edler Materialien und ihrer verstärkten Verwendung in der Architektur steigt auch die Zahl der Bauherren und Kunden, die sich für Marmor entscheiden; sei es für Naturmarmor oder für alternative Materialien, deren Hauptqualität in der optischen Nachahmung von Marmor liegt.
In diesem Zusammenhang ist es besonders wichtig, dass der Architekt die Prioritäten klar definiert und die Qualität des gewählten Materials entsprechend seiner Verwendung im Innen- oder Außenbereich sorgfältig bewertet. Nicht jeder Marmor eignet sich gleichermaßen für Badezimmerböden, Küchenarbeitsplatten oder Wandverkleidungen. Auch wenn moderne Technologien die Leistungsfähigkeit und Anpassungsfähigkeit von Naturstein erheblich verbessern können, hat meine praktische Erfahrung gezeigt, dass man sich an grundlegende Regeln halten sollte, wenn Langlebigkeit und Beständigkeit des Materials gewährleistet werden sollen; insbesondere bei Marmor.
Bei einem meiner jüngsten Projekte handelte es sich um die Innenraumgestaltung eines renommierten Restaurants in Wien. Der Kunde wünschte sich ein elegantes Interieur, das Wertigkeit, Beständigkeit und hohe Qualität ausstrahlt. Marmor war daher die naheliegende Wahl, sowohl für die Bodenbeläge als auch für die Sanitärbereiche.
Die Entscheidung für den Bodenbelag im Gästebereich beruhte nicht nur auf den räumlichen Qualitäten des großzügigen und lichtdurchfluteten Restaurants, sondern vor allem auf funktionalen Anforderungen. Dazu zählen die tägliche Reinigung und die erhöhte Beanspruchung während der Wintermonate, wenn Gäste Feuchtigkeit, Schmutz und Streusalz über ihre Schuhe in den Innenraum tragen. Solche Anforderungen können nur von besonders robusten Marmorsorten erfüllt werden, weshalb wir uns für Calacatta-Marmor entschieden haben.
Calacatta-Marmor zeichnet sich durch eine hohe Druckfestigkeit und eine ausgezeichnete Haltbarkeit aus, die je nach Herkunftsblock variieren kann. Darüber hinaus besitzt er eine vergleichsweise geringe Wasseraufnahme, wodurch er sich auch für Bereiche mit erhöhter Feuchtigkeitsbelastung eignet. Ebenso wichtig war die Festlegung des richtigen Poliergrades, um die geltenden Normen hinsichtlich der Rutschhemmung einzuhalten, sowie die Zusammenarbeit mit einem erfahrenen und zuverlässigen Bodenleger.
Entsprechend den Farbvorstellungen des Kunden fiel die Wahl für die Sanitärbereiche auf Rosso Levanto Marmor. Unser Ziel war es, nicht dieselbe Marmorsorte in beiden Bereichen einzusetzen und gleichzeitig das gesamte Badezimmer mit nur einer Steinart auszuführen. Dadurch entsteht durch den natürlichen Verlauf der Maserung und Aderung ein harmonisches, durchgängiges Erscheinungsbild, das Boden, Wände und Waschtisch zu einer gestalterischen Einheit verbindet.
Darüber hinaus war es wichtig, den Stein mit den dunkel lasierten Eichentüren, Messingdetails sowie den Messingarmaturen abzustimmen. Rosso Levanto erfüllte sämtliche technischen und ästhetischen Anforderungen. Als luxuriöses metamorphes Gestein mit hohem Serpentinit-Anteil bietet es nicht nur eine ausdrucksstarke Optik, sondern auch die notwendige Robustheit und Dauerhaftigkeit für hochwertige Innenraumkonzepte.
So zeigt sich einmal mehr, dass die Wahl des richtigen Marmors weit über ästhetische Vorlieben hinausgeht. Sie erfordert ein fundiertes Verständnis der Materialeigenschaften sowie die Fähigkeit des Architekten, die Wünsche des Kunden mit den technischen Anforderungen eines Projekts in Einklang zu bringen.